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Die Cyanid-Katastrophe von Rumänien

Am 30. Januar 2000 brach in Nord-West Rumänien der Damm eines Bergwerk-Schlammbeckens. Die Flüsse Lapus, Somesul, Theiss und auch die Donau wurden mit Cyanid und Schwermetallen verseucht, und die Lebewesen vergiftet.


Die rund 2 Millionen Kubikmeter in Aznalcollar (Andalusien) ausgebrochenen Erzschlämme werden wieder eingesammelt und in einer alten Erzgrube deponiert.



Erzschlämme im Olivenhain:
Sulfidische Erzschlämme oxidieren an der Atmosphäre zu Schwefelsäure. Dies führt zu einem sehr sauren pH-Wert im Oberflächen- und Grundwasser. Zusammen mit dem sauren Wasser werden Schwermetalle (Cadmium, Blei, Kupfer, Cobalt) und auch Arsen freigesetzt.
Die Goldlagerstätten in Siebenbürgen

Bereits die Römer bauten im rumänischen Gutîi-Gebirge Gold ab. Sie nannten das Gebiet "Dacia" , und die dort typisch vorkommenden hellen vulkanischen Gesteine mit Quarz-Einsprenglingen wurden Dazite getauft. Das Gold kommt in bis zu sechs Meter mächtigen Erzgängen vor, wo es feinverteilt mit Sulfiden (v. a. Pyrit, Bleiglanz, Zinkblende, Arsenkies) verwachsen ist. Recht häufig kommt es aber auch als freies, sogenannt gediegenes Gold vor, welches zusammen mit Quarz in Drusen auskristallisiert ist. Die Erzgänge sind eine Folge des dazitischen Vulkanismus, welcher im Miozän, also vor ca. 5 Millionen Jahren, im Karpatenbogen weit verbreitet war. Der Goldgehalt der Erzgänge beträgt bis zu 15 Gramm pro Tonne, was einer sehr hohen Konzentration entspricht, denn "normale" Gesteine enthalten nur zwischen 0.002 (Granit, Karbonate) und 0.005 (Basalt) Gramm Gold pro Tonne. Die Abbauwürdigkeit eines Gesteins liegt heute bei ca. einem Gramm pro Tonne im Tagebau und beim "Flussgold", und bei ca. 10 g/t im Untertagebau.

Als wir vor ein paar Jahren das Bergwerk "Cavnic" im Südwesten des Gutîi-Gebirges besuchten, wurde dort das goldhaltige Erz bis in eine Tiefe von ca. 300 Metern unter Tage abgebaut. In einzelnen der rund sechzig Bergwerke war die Abbausohle jedoch doppelt so tief.


Die Extraktion von Gold aus dem Gestein

Um das Gold aus dem Gestein oder dem Erz zu lösen muss dieses zunächst sehr fein zermahlen werden. Es gibt heute zwei Methoden, um aus dem Gesteinsmehl das metallische Gold zu gewinnen:

1. Das Quecksilber-Amalgam- Verfahren: Dem Mehl zugegebenes Quecksilber verbindet sich mit dem Gold und lässt sich als Amalgam gut vom Mehl abgetrennen. Das Amalgam wir dann erhitzt, das Quecksilber verdampft, und zurück bleibt das Gold. Quecksilberbelastungen der Luft und des Wassers waren und sind verbreitet.

2. Die Cyanid-Laugerei: Das Erzmehl wird nach einer Oxidation durch Rösten (SO2 -Emissionen!) mit einer alkalischen Kalium- oder Natriumcyanidlösung versetzt. Der Lösung wird mit Pressluft Sauerstoff zugegeben, und es bilden sich wasserlösliche Goldcyanidkompexe. Durch die Beigabe von Zink fällt dann das Gold aus.

Bislang gibt es keine anderen erprobten Methoden, um Gold aus Vererzungen zu gewinnen.
Mit dem Biox-Verfahren kann das Rösten der Sulfide umgangen, und so die gefährliche SO2-Emission verhindert werden. Dabei werden dem nassen Erzmehl grosse Mengen von natürlich vorkommenden schwefeloxidierenden Bakterien zugegeben. In geschlossenen Behältern bohren die Mikroben mit der Oxidation kleinste Mikrotunnels in die Sulfid-Minerale, und legen so das Gold frei. Dann wird auch hier mit Cyanid gelaugt (siehe oben), um die wasserlösöichen Goldcyanidkomplexe zu erhalten. Das Biox-Verfahren mit Gold-ausscheidenden Mikroben ist noch in der Experimentierphase und nicht grosstechnisch anwendbar.

Um Katastrophen wie dieses Jahr in Rumänien und 1998 in Spanien (Aznalcollar) zu verhindern, müssen die Dämme der Erzschlamm-Becken standfest und erosionssicher konstruiert sein. Dies ist häufig jedoch nicht der Fall.

14.4.2000 Franz Schenker, Meggen

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