Naturforschende Gesellschaft Luzern
-

Luzerner Kohle im neuen Wasserkraftwerk am Mühlenplatz

Ein Bildbericht von Peter Wick und Oskar Wüest
Gletschergarten Luzern
Bei den Aushubarbeiten für die Korrektur des Durchflusses der Reuss beim Kraftwerk Mühlenplatz im Februar 2000 kamen zwei 20 bis 50 cm mächtige Kohlenschichten zum Vorschein. Bevor die Seitenwände des Unterwasserkanals entlang des St. Karliquais betoniert wurden, konnte der Gletschergarten in einer Blitzaktion die Fundstelle fotografisch dokumentieren, vermessen und Proben entnehmen. Die Funde sind in der neuen Abteilung GeoWorld Luzern im Gletschergarten ausgestellt.

Abb. 1
Der Unterwasserkanal des Wasserkraftwerkes am Mühlenplatz. Die Kohlenfundstelle befindet sich links unter dem auskragenden Trottoir des St.Karliquais. Dahinter der Ausstellungspavillon mit der Jonvalturbine des alten Kraftwerkes. Rechts der Eingang zur Spreuerbrücke.

Aus: Stadt Luzern, Neubau Wasserkraftwerk Mühlenplatz

Abb. 2
Das untere Flöz (im Bild rechts) hat eine Mächtigkeit von 40 bis 50 Zentimeter, das obere 20 bis 35 Zentimeter. Die beiden Kohlenschichten sind durch etwa 140 Zentimeter sandig bis tonige Mergel getrennt.
Die ursprünglich mehr oder weniger horizontal abgelagerten Sedimente fallen mit 65 bis 70 Grad gegen Norden ein. Diese Schiefstellung ist eine Folge der letzten grossen Phase der Alpenfaltung, während der die alpennahen Molasseschichten stark deformiert wurden.
Die blauen Flecken sind Markierungen für den Verlauf der Spundwand.
Abb. 3
Unter dem tieferen Kohleflöz konnte eine interessante Probe von fein geschichtetem tonigem hellbraunen Süsswasserkalk entnommen werden, die eine grosse Anzahl von etwa 2 Millimeter grossen Süsswasserschnecken enthält. Die braune Farbe des (bituminösen) Kalkes stammt von eingelagertem organischem Pflanzenmaterial.

Biomasse aus miozänen subtropischen Küstensümpfen

Abb. 4
Das Typusrelief der Molasselandschaft zeigt in idealisierter zeitlich geraffter Form, in welch unterschiedlichen Ablagerungsräumen die Molassegesteine entstanden sind.
Im Hintergrund die steil aufragenden Flyschberge am nördlichen Alpenrand. Ein Fluss durchbricht die Randkette und schüttet einen Schuttfächer mit groben Geröllen auf (Nagelfluh der Süsswassermolasse). Der Fluss durchfliesst mäandrierend die ausgedehnten Vorlandebenen und baut im Vordergrund ein Delta ins Meer auf. Der im Meer abgelagerte Sand verfestigt sich später zum Luzerner Sandstein (Meeresmolasse).
Abb. 5
Ausschnitt aus dem Molasserelief mit dem Küstenbereich. Rechts das Sanddelta in die «Luzerner Bucht». Neben den mit dem offenen Meer verbundenen Lagunen sind Süsswasserseen zu erkennen, die von ausgedehnten Küstensümpfen umgeben sind. Diese verlanden anschliessend. Der Torf wird später durch neue Flussablagerungen zugeschüttet. Unter Sauerstoffabschluss wandelt sich die Biomasse in Kohle um.
Der Pflanzengehalt des Torfes zeigt gemässigte subtropische Klimabedingungen an.

Kohlenabbau in der Umgebung von Luzern

Die Luzerner Kohlenflöze sind seit Jahrhunderten bekannt. Sie ziehen von der Zinggentorstrasse, unter der Hofkirche, zum Schweizerhof, zur Spreuerbrücke und zum Sonnenberg. Die tiefschwarze, zum Teil glänzende Kohle, wurde in vergangenen Jahrhunderten bis zum 2. Weltkrieg auch kommerziell abgebaut. Überliefert sind Abbaukonzessionen vom Sonnenberg und eine des Kollegialstifts im Hof vom 21.5.1858 für die Probsteimatte bei der Hofkirche.

Abb. 6
Kohlenbergwerk Sonnenberg im 2. Weltkrieg. Stolleneingang Littau mit Lorenbahngeleisen. Ölbild von Ernst Hodel, 1946.

Foto: Gemeindearchiv Littau
Abb. 7
"Actie der Bergbau-Gesellschaft in Littau bei Luzern". Herausgegeben 1866 mit einem Nennwert von Fr. 1000.-.

Gemeindearchiv Littau
Abb. 8
Luzerner Kohle vom Mühlenplatz.
Die tiefschwarz glänzende, spröde und zum Teil muschelig brechende Luzerner Kohle hat einen Heizwert von etwa 6000 Kal. (Steinkohle 8000 Kal.) , d.h. ist in reinem Zustand von abbauwürdiger Qualität.
Abb. 9
Mit diesem Inserat aus dem "Vaterland" Nr. 266 / 1941 wird Sonnenbergkohle als gern und willig brennend angeboten. Der Abbau lohnte sich nur in Zeiten der Verknappung und damit hohen Preisen. Die Flöze sind wenig mächtig und stehen steil, was den Abbau sehr aufwändig machte.

Gemeindearchiv Littau

Mehr zu Molasse und Molassekohlen:

Bärtschi, H.P., 1999: Industriekultur in Kriens, Brunner AG, Kriens 1999

Keller, B., 1990: Wirkung von Wellen und Gezeiten bei der Ablagerung der Oberen Meeresmolasse. Mitt. Der NGL,31. Band, 1990

Keller, B., 2000: Fazies der Molasse anhand eines Querschnitts durch das zentrale Schweizer Mittelland. Jber.Mitt.oberrhein.geol.Ver. N.F. 82, 2000

Kopp, J., 1962: Erläuterungen zu Atlasblatt 28, Luzern, Geologischer Atlas der Schweiz. Kümmerly & Frey, Bern 1962.

Landtwing, K., 1989: Kohle. Ein Kapitel aus der Erd- und Wirtschaftsgeschichte von Menzingen. In: Zuger Neujahrsblatt 1989

Letsch, E., 1899: Die Schweizerischen Molassekohlen östlich der Reuss, in Beitr. zur geol. Karte der Schweiz: Geotechnische Serie, Lieferung I. Bern 1899

Stadt Luzern, 1998: Neubau Wasserkraftwerk Mühlenplatz. Dokumentationsreihe Bauten und Anlagen der Stadt Luzern

[Der Verein] [Veranstaltungen] [Forschungsförderung] [Jugendforum] [Warum...?] [Aktuelle Themen] [Diskussionsforum] [Publikationen] [Links] [Kontakte] [Suchen]

© 2001 Naturforschende Gesellschaft Luzern
Created by Felder Internetdesign

--

--