| -
|
|
 |
 |
|



55 |
Zecken zählen zur Gattung der Spinnentiere. Weltweit sind rund 800 Zeckenarten bekannt. In Europa trifft man vor allem die Schildzecke an. Unter diesen ist der gemeine Holzbock (lxodes ricinus) die bekannteste mitteleuropäische Zecke. Als Blutsauger kann er Erreger von verschiedenen Infektionskrankheiten bei Tieren und Menschen übertragen.
Systematische Einordnung für den Holzbock (Ixodes ricinus):
Stamm: Gliederfüssler (Arthropoda)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Milben (Acari)
Familie: Schildzecken (Ixodidae)
Entwicklungszyklus
Die Entwicklung einer Zecke beginnt, wenn aus dem Ei, die eine weibliche Zecke legt, eine Larve schlüpft. Larven sind mit blossem Auge kaum zu erkennen. Zum Blutsaugen befallen sie vor allem Kleinsäuger wie Mäuse oder Igel. Nach dieser ersten Blutmahlzeit verlässt die Larve ihren Wirt und häutet sich während der Reifezeit zur sogenannten Nymphe. Die geschlechts-losen Nymphen verbringen zunächst wie die Larven eine Zeit frei lebend, im Unterholz, an Sträuchern und Gräsern, ehe sie sich ein Opfer für die nächste Blutmahlzeit suchen. Nach dem Blutmahl entwickeln sich die Nymphen zu erwachsenen, geschlechtsreifen Zecken. Die Weibchen saugen im Erwachsenenstadium erneut Blut. Sie brauchen das Blut des Wirts zur Bildung von bis zu 3000 Eiern. Die Männchen können auch ohne Blutmahl die Eier der Weibchen befruchten.
Jahreszeitliche Aktivitäten
Die Zecken werden gewöhnlich aktiv, wenn die Bodentemperatur auf etwa 8 Grad ansteigt. Die Zeckenaktivität dauert deshalb in der Regel von März bis Oktober.
Zecken halten sich in Bodennähe, maximal auf einer Höhe von ca. 80 cm auf. Sie befinden sich nie auf Bäumen. Versteckt unter Blättern oder an Grashalmen warten sie geduldig, bis ein mögliches Opfer (Wirt) vorbei zieht. Im geeigneten Moment lassen sie sich fallen oder werden abgestreift. Auf dem Wirt klammern sie sich fest und beginnen mit dem Saugakt.
80% der Zeckenstiche werden nicht bemerkt, da Zeckenstiche schmerzlos sind. Je länger die Zecke saugt, desto grösser ist die Gefahr der Uebertragung von Krankheitserregern, die sie bei ihrem letzten Opfer mit dem Blut aufgenommen hat.
Zecken als Krankheitsüberträger
Die FSME (Hirnhautentzündung) ist selten und wird nur von Zecken bestimmter Regionen übertragen. Die FSME befällt "nur" das Nervensystem. Die Lyme-Borreliose ist ungefähr 500 mal häufiger, kommt überall vor, und befällt zahlreiche Organe: Haut, Gelenke, Muskeln, Bänder, Nervensystem und Herz. Sie kann auch verschiedenste Allgemeinsymptome machen, wie Müdigkeit und Unwohlsein.
Lyme-Borreliose
Die Diagnose einer Lyme-Borreliose ist oft sehr schwierig, da die meisten Symptome für die Krankheit auch zahlreiche andere Ursachen haben können. Einzig eine ringförmige Hautrötung rund um den Zeckenstich deutet eindeutig auf eine Lyme-Borreliose hin. Sie tritt aber leider nur bei 20% der Betroffenen auf. Die Erreger befallen vor allem die Gelenke und deren Umgebung, das Nervensystem, das Herz und die Haut. Wenn rechtzeitig eine Antibiotikatherapie durchgeführt wird oder die Krankheit spontan heilt, entsteht kein bleibender Schaden.
Eine Lyme-Borreliose kann man sich überall dort "holen", wo Zecken anzutreffen sind, in der Schweiz praktisch in allen Wäldern bis auf eine Höhe von etwa 1000 m ü.M.. Etwa ein Drittel aller Zecken sind Träger des Erregers, welcher bei einem Zeckenstich nicht immer, aber häufig auf das Opfer übertragen wird. Glücklicherweise erkranken aber weniger als ein Prozent der Betroffenen an einer Lyme-Borreliose. Die meisten überwinden den Erreger ohne zu erkranken, andere habe leichte, grippeartige Beschwerden und denken dabei nicht an einen Zeckenstich.
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
Die zweite, viel bekanntere Zeckenkrankheit, die Frühsommer-Meningoenzephalitis FSME, kommt viel seltener vor als die Lyme-Borreliose. Nur Zecken in ganz bestimmten Gebieten sind Träger des FSME-Virus. Aber auch in diesen Naturherden ist nur jede hunderste bis tausendste Zecke infiziert. Bei einer Übertragung des Virus auf den Menschen erkranken nur 10 Prozent.
Die schweizerischen Endemiegebiete sind auf der Zeckenkarte des Bundesamtes für Gesundheit (www.medpress.ch) aufgeführt. Es handelt sich um Gebiete in den Kantonen Aargau, Bern, Graubünden, Luzern, Schaffhausen, Solothurn, St. Gallen, Thurgau, Zug, Zürich sowie das Fürstentum Liechtenstein.
In einer ersten Phase, eine bis zwei Wochen nach dem Zeckenstich, leidet der Erkrankte unter grippeartigen Symptomen, häufig begleitet von sehr starken Kopfschmerzen. 95 Prozent der Erkrankten haben danach die Infektion überwunden und sind zeitlebens immun gegen das FSME-Virus. Bei fünf Prozent tritt nach einer beschwerdefreien Zeit eine zweite Phase mit Fieber, Müdigkeit, Gliederschmerzen und wieder besonders starken Kopfschmerzen auf. Hinzu kann die gefürchtete Hirn(haut)entzündung kommen. In seltenen Fällen führt die FSME-Erkrankung zum Tod.
|
|
|
Die beiden Zeckenkrankheiten im Vergleich
|
Lyme-Borreliose |
Frühsommer-Meningoenzephalitis |
| Erreger |
Bakterium Borrelia burgdorferi |
FSME-Virus |
| Häufigkeit der Erreger in Zecken |
bis 30% (mancherorts bis gegen 100% der Zecken sind Träger des Erregers.) |
Nur 1% bis 1 de Zecken in Natur-herden sind Träger des Virus FSME. |
| Erkrankungen des Nervensystem |
Haut, Gelenke, Muskeln, Nerven, Herz |
Hirnhaut, Gehirn, Übriges |
| Impfung möglich? |
Nein |
Ja |
| Gibt es Medikamente? |
Ja (Antibiotika) |
Nein |
| Ist man nach einer Krankheit immun? |
Nein, man kann mehrmals an Lyme-Borreliose erkranken. |
Ja, man ist zeitlebens immun gegen das FSME-Virus. |
|
|
Schutz vor Zecken
- Der beste Schutz (aber auch der sinnvollste?) wäre, vom Frühling bis Herbst Wälder mit Unterholz zu meiden.
- Einen sicheren Schutz vor FSME bildet die aktive Schutzimpfung.
- Geschlossene Schuhe, lange Hosen und Ärmel erschweren den Zecken, auf die Haut zu gelangen.
- Steckt man die Hosenbeine in die Socken, entsteht kein Durchgang für Zecken.
- Kleider mit anliegenden Beinen und Ärmeln verhindern das Umherkrabbeln zwischen Kleidern und Haut.
- An glatten Textilien können sich Zecken schlecht festhalten.
- Auf hellen Stoffen werden Zecken besser gesehen als auf dunklen.
- Nach Verlassen des Waldes Kleider, vor allem Beine, Ärmel und Kragen auf Zecken absu-chen.
- Beim Duschen die Haut, v.a. Kniekehlen, Oberschenkelinnenseiten und Achselhöhlen absuchen.
- Haustiere nach dem Aufenthalt im Freien auf umherkrabbelnde Zecken untersuchen.
- Eventuell ungeschützte Hautpartien sowie Socken, Hosen und Ärmel mit einem Zecken-schutzmittel einsprühen (für Haustiere gibt es spezielle Mittel).
|
|
|
Entfernen von Zecken
- Zecken möglichst rasch entfernen. Es ist nicht nötig, dafür einen Arzt aufzusuchen.
- Keine Vorbehandlung der Zecke. Je länger die Zecke "gequält" wird, desto vermehrt bildet sie Speichel oder "erbricht" und desto eher gehen die Erreger ins Blut über.
- Zecke am besten mit einer Pinzette möglichst hautnah fassen und durch geraden, gleich-mässigen Zug herausziehen (spezielle Zeckenzangen erhältlich).
- Hauteinstichstellen nach dem Entfernen der Zecke wenn möglich desinfizieren.
- Allenfalls in der Haut gebliebene Zeckenreste können keine Erreger übertragen. Reagiert die Haut mit einer Entzündung, kann der Arzt die Reste entfernen.
- Wenn der Zeckenstich in einem FSME-Naturherd erfolgte, kann innerhalb von 96 Stunden eine passive Schutzimpfung in Betracht gezogen werden (Arzt aufsuchen).
- Den Arzt auch aufsuchen, wenn innerhalb dreier Wochen nach dem Zeckenstich Kopf-schmerzen, Hautveränderungen, Gelenkbeschwerden oder Störungen des Nervensystems auftreten.
|
|
|
|
|
 |
|